„Wenn man einen Trailer schneidet, tut man dies nicht nur für sich selbst, sondern vor allem für die Zuschauer, die am Ende eine Gänsehaut bekommen und von Musik und Bildern mitgenommen werden sollen.“

Christian Giegerich und Dirk Henschel sind seit über einem Jahrzehnt Teil des P7S1-Kosmos und waren in dieser Zeit an der Produktion zahlreicher Trailer beteiligt. Mit welchen Größen des Showgeschäfts sie in der Vergangenheit zusammenarbeiten konnten, was das Geheimnis eines guten Trailers ist und welche Qualifikationen man für ihren Job mitbringen sollte, verraten sie uns im Interview.

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Katrin Dusel

Die hohe Kunst des Trailerschnitts: Ein Interview mit Christian und Dirk

„Wenn man einen Trailer schneidet, tut man dies nicht nur für sich selbst, sondern vor allem für die Zuschauer, die am Ende eine Gänsehaut bekommen und von Musik und Bildern mitgenommen werden sollen.“

Christian Giegerich und Dirk Henschel sind seit über einem Jahrzehnt Teil des P7S1-Kosmos und waren in dieser Zeit an der Produktion zahlreicher Trailer beteiligt. Mit welchen Größen des Showgeschäfts sie in der Vergangenheit zusammenarbeiten konnten, was das Geheimnis eines guten Trailers ist und welche Qualifikationen man für ihren Job mitbringen sollte, verraten sie uns im Interview.

Ein Interview von Paulina Schaab  

Lieber Dirk, lieber Christian, ihr seid beide in der P7S1 Inhouse Agentur Creative Solutions tätig. Was macht ihr genau bei P7S1?

C: Als Promotion Supervisor bin ich Teil des ProSieben Creation Teams und für das Ressort ProSieben Fiction aus kreativer Sicht verantwortlich. Damit bin ich gemeinsam mit dem Projektmanagement auch der Knotenpunkt und Ansprechpartner zum zuständigen Marketing Manager, mit dem ich schon sehr lange eng erfolgreich zusammenarbeite. Gemeinsam haben wir einen riesigen Erfahrungsschatz sowie eine wertvolle Expertise für unsere Formate, die sich über die Jahre entwickelt hat. Bei uns bin ich so etwas wie eine helfende, führende Hand, die promotionseitig dabei hilft, Gedanken zu ordnen und unseren talentierten Writer/Producern im Schnitt die richtigen Impulse und Leitplanken für ihre Ideen zu geben. Wir sind im Tagesgeschäft auch die Schnittstelle vieler verschiedener Gewerke, geben gemeinsam mit den jeweils zuständigen Art Direktoren dem Team entsprechenden Input und Hilfestellungen. Ich habe somit eine  verantwortungsvolle Schlüsselfunktion als Teil eines sehr großen Teams. Und unsere klitzekleine Aufgabe ist es, eine Handvoll Bilder und Töne so in Einklang zu bringen, um täglich Millionen von Menschen vor den Bildschirmen für unseren Content zu begeistern.

D: Als Senior Writer Producer im Multichannel Promotion Team bin ich sozusagen Cutter und „Promotion Supervisor light“ in einer Person. Unsere Arbeit unterscheidet sich vor allem darin, dass Christian eher projektübergreifend tätig ist und ich die Trailer dann in Personalunion mit anderen Ressorts wie beispielsweise der Designabteilung gemeinsam handwerklich umsetze – von der Abstimmung mit dem Marketing, der Ideenfindung vor dem Schnittbeginn bis zum eigentlichen Schnitt.  Diese Projekte betreue ich dann von Anfang bis Ende. Writer Producer bedeutet also, dass wir auch in der Lage sind, eigenständig Konzepte zu schreiben und diese umsetzten. Als Senior Writer Producer ist man auch stark in den Brand-Teams involviert und bringt so die Sender-Marke gemeinsam mit den Kollegen „auf Kurs“. Außerdem bin ich Ansprechpartner für die unerfahrenen und neuen Kolleginnen und Kollegen im Schnitt. Man kann mich also jederzeit als Berater hinzuziehen, wenn es um schnitt-technische Probleme, Umsetzungs-Ideen im Schnitt etc. geht.

210303 Trailerschnitt Interview
Dirk Henschel (links) & Christian Giegerich (rechts)

Ihr habt tagtäglich mit Trailern und Trailerschnitt zu tun: Verratet ihr uns das Geheimnis eines guten Trailers?

C: Ein guter Trailer unterhält mich. Er packt mich. Darf mich überraschen. Nimmt mich aber dennoch an der Hand und lässt mich dabei nie ganz allein im Wald stehen. Das beworbene Erlebnis sollte dabei geschützt sein, denn jeder Film wird von jemandem da draußen mit Sicherheit zum ersten Mal gesehen. Am Ende sollte ein Trailer aber den Zuschauer immer dazu bringen, zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Knopf auf der Fernbedienung zu drücken, um bei dem beworbenen Erlebnis dabei zu sein. Wie man das schafft, ist am Ende eben die Herausforderung.

D: Für mich muss beim Anschauen eines Trailers das Bauchgefühl stimmen! Ein Trailer muss den Eindruck vermitteln, den Zuschauer emotional mitzunehmen. Auch die grauen Zellen sollten angeregt werden und der Zuschauer sollte zum Nachdenken kommen. Gleichzeitig darf es aber auch nicht zu verkopft werden, denn das kann dazu führen, dass die Lust auf den Film verloren geht. Und dies verdeutlicht auch die Komplexität des Ganzen, denn man hat immer die Intention, einen Anreiz zum Anschauen zu schaffen! Wenn man einen Trailer schneidet, tut man dies nicht nur für sich selbst, sondern vor allem für den Zuschauer, der am Ende eine Gänsehaut bekommen und von der Musik und den Bildern mitgenommen werden soll. Und wenn man dann am Ende auch noch selbst stolz auf das Resultat ist, selbst ein gutes Bauchgefühl hat, dann erfüllt einen die Arbeit ungemein.

Was war der coolste Trailer, den ihr jemals produziert habt? 

C: Die Projekte, die in besonderer Erinnerung bleiben, sind die Gemeinschaftsprojekte.  Ich denke da beispielsweise an einen Sing Along-Shanty Song für die „Pirates of the Caribbean“-Saga von Dirk, einer weiteren Kollegin und mir, u. a. mit den Original-Synchronstimmen von Jack Sparrow und Mr. Gibbs. Hierfür haben wir selbst einen Text geschrieben und gemeinsam mit ca 50 Kreativen einen Piratensong aufgenommen. (lacht) Das hat enormen Spaß gemacht. Ich glaube, es gibt kaum eine andere Abteilung, in der so viel Wahnsinn und Chaos, aber zugleich auch Kreativität und Ideenreichtum in den Köpfen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steckt. Die schönsten Trailer sind außerdem meist die, die einem die meisten Freiheiten lassen. Trailer, bei denen man nur den Titel nennen muss, wie „Sherlock Holmes“, und damit quasi schon alles gesagt ist. Dann hat man besonders viel Platz für Ideenreichtum und Spaß. Und die für das Format nötige Information wird automatisch auf dieser Welle miterzählt.

Hast du noch weitere Beispiele?

C: Andere Beispiele, an die ich mich gerne erinnere: Für das 25-jährige Jubiläum haben wir mit den Synchronsprechern der Simpsons in einem detailgetreu nachgebauten Wohnzimmer gedreht und bekannte Situationen nachgestellt. Wir haben für Joko und Klaas‘ Show-Strafe unsere Entertainment-, Infotainment- und Fiction-Trailer in ganz neuem Licht erstrahlen lassen und mit den beiden umgesetzt. Oder für den siebten Star-Wars-Film haben als einziges Unternehmen weltweit eine Imagekampagne zum Kinostart gemeinsam mit Lucasfilm auf die Straße gebracht.

Wenn ihr Trailer für solch große Filmreihen wir Star Wars schneidet, bedarf das bestimmt auch viel Abstimmung mit bekannten Persönlichkeiten aus dem Showgeschäft, oder?

C: Für sehr ambitionierte Ideen muss man natürlich immer erst die Freigabe bekommen. Hierfür  setzen wir uns mit den Verleihern wie Disney oder Warner zusammen und besprechen die Ideen der Kreativen im Vorfeld. Wir machen auch oft konzeptionelle Kooperationen zu Kinostarts mit den Verleihern und tatsächlich in diesem Zusammenhang bereits mit Größen wie Christopher Nolan, J. J.  Abrams oder Kathleen Kennedy, der Chefin von Lucasfilm zu tun gehabt. Harrison Ford hat uns auch schon selbst einmal einen Trailer freigegeben. Der echte Kermit der Frosch aus Amerika einen gespielt. Ich durfte außerdem bereits zusammen mit meinem Team mit dem Cast von „Young Sheldon“ oder „This is Us“ drehen und Ideen umsetzen, aber auch intensiv mit Klaas Heufer-Umlauf und Lars Jessen für „Check. Check“ zusammenarbeiten.

Was muss man mitbringen, wenn man bei euch im Bereich arbeiten möchte? 

C: Um es mit Homer J. Simpsons Worten zu sagen: „Die Bereitschaft, in Schichten zu arbeiten, mindestens einen Monitor und keine Freunde!!“ (lacht) Ich denke, ein vorhandenes Verständnis, Geschichten zu erzählen – nicht mal unbedingt im klassischen Sinne – muss gegeben sein: Elemente ansprechend zu erschaffen und aufzubereiten, Informationen zu filtern und am Ende innerhalb kurzer Zeit in irgendeiner Form auf den Punkt zu bringen. Bei Spielfilmen und Serien geht es oft auch tatsächlich um Storytelling in kürzester Zeit: Wie kann ich das Wesentliche in 30 Sekunden zusammenfassen ohne die Leute damit komplett zu überfahren? Wie kann ich mit etablierten Formaten neue Zuschauer gewinnen? Wie bekomme ich generell die Leute vor den Bildschirm? Und dann noch ins richtige Programm? Man benötigt ein gewisses Verständnis von Filmen, Serien, Shows, Magazinen und Medien im allgemeinen, aber auch eine spürbare Begeisterung für die Sache.

D: Man braucht durchaus viel popkulturelles Wissen. Nicht nur, wenn man für den Film- und Serienbereich arbeitet, sondern auch in vielen anderen Bereichen von P7S1 (Magazine, Shows, etc.). Denn man generiert viele Ideen aus den Medien, die man auch privat konsumiert (Zeitschriften, Musik, Comics, Videospiele, etc.). Über den Tellerrand blicken ist wichtig und dass man viele kreative Impulse auf- und mitnimmt.

Wie glaubt ihr, dass sich die Welt der Trailer in Zukunft entwickeln wird? 

C: Das großartige an diesem Job ist, dass sich diese Medienlandschaft immer noch verändert und sich auch die Inhalte ständig weiterentwickeln und man nie wirklich am Ziel ist. Man hat immer noch nicht das Gefühl, dass man alles gemacht hat. Es gibt immer wieder neue Methoden, neue Erzählweisen und Plattformen, die auf den Tisch kommen. Mit dem Aufkommen der deutschen Serien hat man zum Beispiel auch ganz andere Möglichkeiten, mit den Talenten zu arbeiten (bei US-Content ist man da erfahrungsgemäß auf das vorliegende Material beschränkt) und auch die sozialen Medien entwickeln sich ständig weiter und bekommen immer mehr Bedeutung. Außerdem ergibt sich dadurch auch eine ganz andere Art und Weise, wie Trailer konsumiert werden - man muss immer wieder ganz anders denken. Es gibt überhaupt keinen Verschleiß und die Freude ist immer noch so groß wie am ersten Tag, wenn noch nicht größer, weil man mittlerweile mehr Möglichkeiten zur Verfügung hat und so auch der Spielplatz immer größer wird.

D: Wie Christian schon meinte: Man lernt nie aus. Dinge wie Social Media und die Erstellung von Inhalten für diese Medien setzen auch voraus, dass man sich mit ihnen beschäftigt und weiß, was dafür wichtig ist. Unsere Aufgabe ist es, Strömungen zu erkennen, an die wir mit unseren kreativen Ideen anknüpfen. Alle kreativen Ideen und Impulse, die neu und up to date sind, kommen automatisch mit an den Tisch und wenn man es nicht kennt, lernt man es kennen. Das Schöne bei uns ist, dass jeder seine eigene Mentalität mitbringt und so sein kann, wie er ist. In meinen über 20 Jahren bei P7S1 konnte ich so schon die verschiedensten Strömungen, Veränderungen oder Entwicklungen miterleben. All diese kreativen Energien, die zusammenkommen… Es lässt sich nur schwer beschreiben, was man hier erleben kann.