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Julia Rosenzweig

Queer im Job: Alexandra im Interview

Wir starten in den Herbst, und zwar mit einer spannenden neuen Gästin in unserer #QueerImJob-Interviewreihe – Welcome liebe Alexandra! 🤩🌈

Sie ist Partner Marketing Lead bei der #P7S1 Tochterfirma PULS 4 in Wien und verhandelt dort Kooperationen mit anderen Marken und Unternehmen für Joyn. 

Alexandra teilt mit uns im Interview, wie sie sich seit 20 Jahren ehrenamtlich in der österreichischen LGBT+-Community engagiert, dass ihr Coming-out damals unfreiwillig stattgefunden hat und was eine Kirchenorgel mit ihrer nebenberuflichen Karriere als female DJ zu tun hat. 

Unsere „Warm up-Frage“ an dich: Wiesnbesuch 2026 – ja oder nein?

Ich habe es bisher tatsächlich noch nie auf das Oktoberfest geschafft und trinke eigentlich auch lieber Aperol Spritz als Bier, es steht aber definitiv auf meiner Bucket List. Vor allem, weil es dort mittlerweile auch queere Angebote und Veranstaltungen gibt.

 

Du bist seit 2017 Teil von ProSiebenSat.1 PULS 4 in Wien. Wie sah dein beruflicher Weg bisher aus? 

Ursprünglich habe ich in der Sendeplanung angefangen und parallel dazu ein Studium in Kommunikationswirtschaft abgeschlossen. 2021 bin ich ins B2C- Marketing* gewechselt, wo ich zunächst sowohl Barter Deals** als auch verschiedene Kampagnen verantwortet habe. Diesen Bereich habe ich kontinuierlich ausgebaut und mich von der stellvertretenden Leitung des B2C-Marketings zum Partner Marketing Lead weiterentwickelt. Seit Mai 2026 bin ich nun Teil des Bereichs „Partnerships & Distribution“. 

 

Wie können wir uns deinen Job in diesem Bereich genau vorstellen?

Vereinfacht gesagt prüfe ich, mit welchen Unternehmen oder Organisationen wir Kooperationen starten können, die für beide Seiten einen Mehrwert schaffen. Wenn ein Partner beispielsweise einen starken Zugang zu einer bestimmten Zielgruppe, ein tolles eigenes Produkt oder einen spannenden Vertriebskanal mitbringt, bieten wir im Gegenzug unsere Marken, Inhalte und Reichweiten an. Mit Joyn steht außerdem eine große, attraktive Streamingplattform zur Verfügung.   

 Darüber hinaus verhandle ich Partnerschaften für Joyn+. Aktuell arbeiten wir beispielsweise an einer Kooperation mit einem bekannten Essenslieferdienst. Dabei erhalten Kund:innen Joyn+ zu vergünstigten Konditionen und profitieren gleichzeitig von einem speziellen Angebot unseres Partners. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten.   

Du hattest bereits erzählt, dass du dich ehrenamtlich stark in der österreichischen LGBT+ Szene engagierst. Hast du ein paar Beispiele dafür?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin mittlerweile seit 20 Jahren in der österreichischen LGBT+-Community aktiv. Mein Engagement begann beim Rechtskomitee „Lambda“, wo ich mit Anfang 20 an ersten Gesprächen und an der Arbeit rund um die Einführung der Eingetragenen Partnerschaft in Österreich beteiligt war – ein Prozess, der letztlich noch einige Jahre dauerte. Darüber hinaus habe ich Social-Media-Arbeit für ein Community-Lokal mit angeschlossener Beratungsstelle übernommen und bin seit mehreren Jahren als female DJ und ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der Vienna Pride aktiv. 

Möchtest du mit uns teilen, wie dein eigener Coming-out-Prozess verlief und wie sich dieser sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld ausgewirkt hat? 

Ja, gerne. Wirklich klar wurde mir mit 17 Jahren, dass ich lesbisch bin. Damals wurde ich an meiner Schule unfreiwillig geoutet, was keine schöne Erfahrung war und mir sogar auch Angst gemacht hat. Allerdings: Ungefähr zur selben Zeit wurde ich zur Schulsprecherin gewählt. Kurz darauf kam auf dem Schulhof ein jüngeres Mädchen zu mir und sagte, sie habe mich gewählt, weil sie eines Tages genauso mutig sein und sich outen möchte wie ich. 

Dabei war ich ja gar nicht mutig. Aber das hat mich damals sehr berührt, weil mir bewusst wurde, wie wichtig es sein kann, wenn jemand den ersten Schritt macht und damit Vorbild ist. Seitdem gehe ich ganz selbstverständlich mit meiner sexuellen Orientierung um – sowohl privat als auch im Berufsleben. Diese Offenheit nimmt möglichen Vorbehalten oft den Wind aus den Segeln. 

 

Was wünscht du dir für die Zukunft queerer Personen in Österreich?

Ich nehme wahr, dass Ablehnung und Gewalt gegenüber queeren Menschen wieder sichtbarer geworden sind. Deshalb wünsche ich mir, dass wir konsequenter dagegen vorgehen und gleichzeitig wieder stärker miteinander in den Austausch kommen. 

Ich wünsche mir, dass wir irgendwann nicht mehr darüber diskutieren müssen, ob queere Menschen gleichberechtigt sind oder ob trans Frauen wirklich Frauen und trans Männer wirklich Männer sind. Das sollte längst Konsens sein. Dafür braucht es mehr Zusammenhalt – übrigens auch innerhalb der queeren Community. Gerade in Zeiten, in denen unsere Rechte und unsere Sichtbarkeit wieder stärker diskutiert werden, sollten wir einander unterstützen, anstatt uns gegenseitig zu spalten. 

Meine Hoffnung ist, dass man irgendwann keinen Mut mehr braucht, um offen queer zu leben. 

Zum Abschluss kommt selbstverständlich noch eine unserer Lieblingsfragen: Gibt es etwas, das deine Kolleg:innen noch nicht über dich wissen?

Ja, da gibt es tatsächlich etwas (lacht): Meine ersten regelmäßigen Auftritte hatte ich nicht als DJane, sondern mit acht Jahren an der Kirchenorgel. Ich habe damals bei meiner Großmutter in einem kleinen Dorf in Oberösterreich gelebt und mit sieben angefangen, Klavier zu spielen. Als die beiden Organistinnen weggezogen sind, hat meine Großmutter mich als mögliche Nachfolgerin vorgeschlagen – mit Erfolg. Zwei Jahre lang habe ich regelmäßig Sonntagsmessen und andere Gottesdienste an der Orgel begleitet. Meine musikalische Karriere hat also streng genommen in der Kirche begonnen. 

 

Vielen Dank liebe Alex für deine Offenheit und das schöne Gespräch! 

 

*B2C Marketing bedeutet „Business-to-Consumer-Marketing“.

**Bei einem Barter-Deal wird Werbeleistung gegen Produkte oder Dienstleistungen eines anderen Unternehmens getauscht.