Möchtest du mit uns teilen, wie dein eigener Coming-out-Prozess verlief und wie sich dieser sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld ausgewirkt hat?
Ja, gerne. Wirklich klar wurde mir mit 17 Jahren, dass ich lesbisch bin. Damals wurde ich an meiner Schule unfreiwillig geoutet, was keine schöne Erfahrung war und mir sogar auch Angst gemacht hat. Allerdings: Ungefähr zur selben Zeit wurde ich zur Schulsprecherin gewählt. Kurz darauf kam auf dem Schulhof ein jüngeres Mädchen zu mir und sagte, sie habe mich gewählt, weil sie eines Tages genauso mutig sein und sich outen möchte wie ich.
Dabei war ich ja gar nicht mutig. Aber das hat mich damals sehr berührt, weil mir bewusst wurde, wie wichtig es sein kann, wenn jemand den ersten Schritt macht und damit Vorbild ist. Seitdem gehe ich ganz selbstverständlich mit meiner sexuellen Orientierung um – sowohl privat als auch im Berufsleben. Diese Offenheit nimmt möglichen Vorbehalten oft den Wind aus den Segeln.
Was wünscht du dir für die Zukunft queerer Personen in Österreich?
Ich nehme wahr, dass Ablehnung und Gewalt gegenüber queeren Menschen wieder sichtbarer geworden sind. Deshalb wünsche ich mir, dass wir konsequenter dagegen vorgehen und gleichzeitig wieder stärker miteinander in den Austausch kommen.
Ich wünsche mir, dass wir irgendwann nicht mehr darüber diskutieren müssen, ob queere Menschen gleichberechtigt sind oder ob trans Frauen wirklich Frauen und trans Männer wirklich Männer sind. Das sollte längst Konsens sein. Dafür braucht es mehr Zusammenhalt – übrigens auch innerhalb der queeren Community. Gerade in Zeiten, in denen unsere Rechte und unsere Sichtbarkeit wieder stärker diskutiert werden, sollten wir einander unterstützen, anstatt uns gegenseitig zu spalten.
Meine Hoffnung ist, dass man irgendwann keinen Mut mehr braucht, um offen queer zu leben.