Profile picture for user Julia Rosenzweig
Julia Rosenzweig

Queer im Job: Deetje im Interview

„Auf dem Weg zu mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz sind Allies mit ihrem Engagement für die queere Community unverzichtbar.“

Wir freuen uns, einen neuen spannenden Gast in unserer #QueerImJob Interview-Reihe begrüßen zu können 🌈

Diesmal sprechen wir mit Deetje, Volontärin in der #P7S1 Nachrichtenredaktion :newstime, über ihr eigenes Coming Out, über ihre Hoffnungen in Bezug auf die Zukunft der queeren Community und was Unternehmen konkret tun können, um ein offenen und tolerantes Umfeld zu schaffen. Außerdem teilt sie einen Fakt über sich, den die meisten ihrer Kolleg:innen noch nicht kennen. Was Tauben damit zu tun haben? Lest selbst 🙂

Möchtest du uns von deinen Erfahrungen im Zusammenhang mit deinem Coming-Out erzählen?

Sehr gerne. In meinem familiären Umfeld war mein Coming-Out tatsächlich überhaupt kein Problem. Ich wusste für mich schon immer, dass ich queer bin und habe es daher nie zu einem großen Thema gemacht.

Im beruflichen Kontext hatte ich für mich entschieden, mich nicht aktiv zu outen, da heterosexuelle Personen dies ja auch nicht tun. Wenn mich also jemand fragte, was ich am Wochenende gemacht habe, erzählte ich von Unternehmungen mit meiner Freundin. Bisher habe ich wirklich nur positive Erfahrungen gemacht und dafür bin ich sehr dankbar.

 

Wie schätzt du die Akzeptanz und Sichtbarkeit queerer Menschen in unserer Gesellschaft ein und welche Bedeutung haben dabei Allies (Verbündete) deiner Meinung nach?

Wenn man die aktuellen Entwicklungen in der Weltpolitik betrachtet, kann ich die Besorgnis vieler queerer Menschen gut verstehen. Für mich ist genau das aber Anlass, erst recht laut zu werden – und zwar nicht nur als queere Person, sondern auch gemeinsam mit Allies und Verbündeten. Ich glaube, dass viele potenzielle Allies sich gar nicht bewusst sind, wie wichtig sie und ihr Engagement für die Community sind. Dabei kann es schon im Kleinen beginnen, beispielsweise indem man das Welcoming-Out-Symbol als Button trägt. Gleichzeitig passiert natürlich auch viel Positives, was man an den großen CSD-Paraden in verschiedenen Städten sehen kann.

Was sind deine Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft der queeren Community?

Ehrlich gesagt glaube ich, dass es noch ein weiter Weg ist, bis eine hundertprozentige Gleichstellung queerer Menschen erreicht ist. Meine Hoffnung ist, dass es immer genügend queere Menschen und Allies geben wird, die sich nicht einschüchtern lassen, gemeinsam laut sind und für dieses Ziel kämpfen. Damit führen wir auch das fort, was andere Generationen bereits erreicht haben.

Welche konkreten Maßnahmen können Unternehmen aus deiner Sicht ergreifen, um diese Entwicklung zu unterstützen?

 Ich denke, die Grundlage dafür ist eine Unternehmenskultur mit klar formulierten Werten, die von Führungskräften und allen anderen aktiv gelebt werden.  Darauf aufbauend sollten dann konkrete Maßnahmen ergriffen werden, wie beispielsweise die Zertifizierung durch ein entsprechendes Siegel, die Gründung queerer Netzwerke oder die Teilnahme am CSD. Wichtig ist dabei, dass das Engagement wirklich ehrlich und authentisch ist.

 

Zum Abschluss darf natürlich unsere „Klassiker-Frage“ nicht fehlen: Gibt es etwas, das deine Kolleg:innen noch nicht über dich wissen?

Da gibt es sogar zwei Dinge (lacht)! Zum einen ist es die Tatsache, dass ich panische Angst vor Tauben habe. Ich wechsle sogar die Straßenseite, wenn welche in meiner Nähe sind. 

Und: Wenn ich nicht Journalistin geworden wäre, wäre ich jetzt wahrscheinlich Pastorin. Ich war lange selbst in einer tollen Gemeinde mit relativ starker queerer Repräsentation, das fand ich sehr inspirierend, das fand ich sehr inspirierend.

Vielen Dank liebe Deetje für deine Offenheit und die spannenden Einblicke in deinen ganz persönlichen Weg!