In persönlichen Gesprächen sollte man als queerer Mensch nicht mehr innerlich zusammenzucken müssen, wenn man die Partnerin oder den Partner erwähnt. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es das gewisse Lautsein von Betroffenen und ihren Allies. Ich glaube, man muss laut sein, damit es auch noch beim Letzten ankommt, dass Sexualität kein Thema mehr ist.

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Katrin Dusel

Queer im Job: Mia Schuberth im Interview

In persönlichen Gesprächen sollte man als queerer Mensch nicht mehr innerlich zusammenzucken müssen, wenn man die Partnerin oder den Partner erwähnt. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es das gewisse Lautsein von Betroffenen und ihren Allies. Ich glaube, man muss laut sein, damit es auch noch beim Letzten ankommt, dass Sexualität kein Thema mehr ist.

 

Im Mittelpunkt zu stehen, mag Mia eigentlich so gar nicht. Dennoch erhebt die Unit Director Committees Representation in diesem Interview unserer "Queer im Job"-Reihe nun ihre Stimme für sich und andere LGBTIQ*-Mitarbeitende. Warum man in ihren Augen laut sein muss, um Normalität im Umgang mit der individuellen sexuellen Orientierung am Arbeitsplatz zu erzielen, verrät sie hier.

 

Liebe Mia, wieso engagierst du dich in unserer PROUD-Community?

Ich identifiziere mich als lesbisch – und das ist tatsächlich einer der Gründe, weshalb ich mich bei PROUD engagiere und auch Teil dieser Interviewreihe werden wollte. Das LGBTIQ*-Spektrum ist sehr vielfältig, aber ein Interview mit einer lesbischen Frau fehlte bislang bei „Queer im Job“. Statt mich darüber zu ärgern, habe ich mir gesagt, dass ich selbst tätig werden muss, wenn es mir um mehr Sichtbarkeit geht. Also habe ich mich entschieden, meine Ansichten kundzutun – und hoffentlich folgen mir weitere Kolleginnen.

Was machst du bei ProSiebenSat.1?

Tatsächlich habe ich gerade mein zehnjähriges Dienstjubiläum bei ProSiebenSat.1 gefeiert. Ich bin über ein Praktikum ins Unternehmen gekommen. Eigentlich wollte ich anschließend wieder studieren, doch es hat sich spontan die Möglichkeit ergeben, zu bleiben und ein Trainee-Programm zu absolvieren. Danach wurde ich übernommen und arbeite seitdem im Bereich Committee & Representation, wo ich mittlerweile Unit Director bin. In unserem Team sind Expert:innen für alle Fragestellungen rund um unser Audience Measurement. Wir sind also die Stimme der Seven.One Media zu Markt- und Media-Organisationen, allen voran der AGF Videoforschung GmbH. Die AGF liefert nicht nur seit über 30 Jahren unsere TV-Daten, sondern auch zunehmend Crossmedia-Leistung.

Spielt deine sexuelle Orientierung in deinem Job eine Rolle?

Bei meiner täglichen Arbeit ist meine sexuelle Orientierung kein Thema, aber ich glaube, dass mein queerer Hintergrund meinen Blick für unterschiedliche Persönlichkeiten, vielfältige Themen und unterschiedliche Interessen schärft. Da ich mit vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten und Meinungen zu tun habe, denke ich, dass mir dieses Gespür hilft, mich darauf einzustellen. Ich möchte aber niemandem absprechen, solche Herausforderungen auch ohne diesen Hintergrund zu meistern.

Wie sind deine bisherigen und auch dein aktueller Arbeitgeber ProSiebenSat.1 mit deiner sexuellen Orientierung umgegangen?

Ich hatte von Unternehmensseite nie ein Problem damit – und darüber bin ich wirklich sehr froh. Zwar bin ich niemand, der die eigene Sexualität immer wieder aktiv in den Vordergrund stellt. Ich versuche allerdings, mit meinem persönlichen Leben ganz natürlich umzugehen. In Gesprächen mit Kolleg:innen möchte ich sagen können, dass ich mit meiner Partnerin im Urlaub war. Leider musste ich bei vorherigen Arbeitgebern aber Erfahrungen mit Homophobie unter Kolleg:innen machen. Mir wurde nahegelegt, doch bitte noch zurückhaltender damit umzugehen. Was in meinem Fall bedeutet: Mich wirklich aktiv verstecken. Das war sehr kräfteraubend und ich bin froh, dass ich solche Themen bei P7S1 nie hatte. Man muss sich auch vorstellen, wir sprechen hier von einem Vorfall in den 2000er Jahren bei einem liberalen, offenen Arbeitgeber mit einer jungen Belegschaft und einem offen schwulen Vorgesetzten. Das war schon ein bisschen verrückt.

Es tut mir sehr leid, dass du diese Erfahrungen machen musstest. Was hättest du dir damals als Unterstützung von deinen anderen Kolleg:innen gewünscht?

Damals war dieser Vorfall der ausschlaggebende Grund, warum ich nicht in dem Unternehmen geblieben bin. Dabei bräuchte es nur einen natürlichen Umgang mit der Sexualität jeder einzelnen Person. Eigentlich ist diese im Job kein Thema und ich würde mir wünschen, dass sie das auch nicht mehr sein muss. In persönlichen Gesprächen sollte man als queerer Mensch nicht mehr innerlich zusammenzucken müssen, wenn man die Partnerin oder den Partner erwähnt. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es das gewisse „Lautsein“ von Betroffenen und ihren Allies. Ich glaube, man muss laut sein, damit es auch noch beim Letzten ankommt, dass Sexualität kein Thema mehr ist.

Glaubst du, Betroffene und Allies sind schon laut genug?

Bisher habe ich leider noch das Gefühl, dass ein direktes oder indirektes Outing in Gesprächen häufig Konsequenzen hat. Es reicht schon, wenn das Gegenüber sich bemüßigt fühlt, komische Nachfragen zu stellen, die es bei einer heterosexuellen Person niemals gäbe. Auch im allerletzten Winkel dieser Welt muss ankommen, dass man einfach viel entspannter sein muss und sein kann.

 

 

Was würdest du einer queeren Person, die bei P7S1 ins Berufsleben startet, mit auf den Weg geben?

Du kannst dich bei uns sicher fühlen! Wenn du jemals Bedenken hast oder in einer schwierigen Situation sein solltest, kannst du dich jederzeit an unser PROUD-Netzwerk oder an deine Führungskraft wenden. Wir haben einige Anlaufstellen, die gerne weiterhelfen. Hör auf dein Bauchgefühl.

Abschließend noch eine Frage: Gibt es etwas, das deine Kolleg:innen noch nicht über dich wissen?

Schwierige Frage (lacht). Dass ich der Prototyp eines Pferdemädchens bin und sogar selbst ein Pony besitze, wissen eigentlich alle, die in Meetings meine Hintergrundbilder gesehen haben. Aber: Die wenigsten wissen wahrscheinlich, dass ich eigentlich mit einer kaufmännischen Ausbildung ins Berufsleben gestartet bin und sogar eine Abschlussprüfung in Stenografie gemacht habe. Außerdem habe ich früher in einem Paketzentrum gearbeitet. Wer also Tipps für reibungslosen Paketversand braucht, kann sich gerne alle Infos bei mir abholen! (lacht)  

Vielen Dank für deine Offenheit und das schöne Interview, liebe Mia.

 

Das Interview führte Alina Haidacher.