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Julia Rosenzweig

Queer im Job: Nadine im Interview

"Im Arbeitsalltag einfach keine Unterschiede machen. Das kostet nichts und wirkt oft am meisten." 🌈 

Wir sind mitten im Pride Month und freuen uns, Nadine in unserer #QueerImJob Interview-Reihe begrĂŒĂŸen zu dĂŒrfen! đŸ„ł Sie ist Senior Photo Producer bei ProSiebenSat.1 und verantwortet in ihrer Rolle die Bildproduktionen unserer Eigenformate im PR-Bereich. Nadine erzĂ€hlt uns im Interview von ihrem persönlichen Weg als queere Person, was der Pride Month fĂŒr sie bedeutet und wie sie ihre Leidenschaft zur Fotografie fĂŒr die Sichtbarkeit von Drag-Shows nutzt. 

Außerdem verrĂ€t sie uns ein spannendes Geheimnis aus ihrer Kindheit. đŸŽ€âœš Worum es geht und was Nena damit zu tun hat, lest ihr im ganzen Interview.

Unsere „Warm up-Frage“ an dich, weil wir uns mitten in der Urlaubs-Saison befinden: Lieber Strand oder Berge?

Ich liebe das Wasser, aber nur am Strand zu liegen, wĂ€re mir schnell zu langweilig. Deshalb ist mir eine Mischung aus Strand und mehr am liebsten: ein Ort am Meer, der gleichzeitig kulturelle Vielfalt, viele AktivitĂ€ten und interessante EindrĂŒcke bietet. Ich habe im Urlaub immer meine Kamera dabei und liebe es, damit verschiedene Orte kennenzulernen und festzuhalten.

 

Du bist Senior Photo Producer und seit vier Jahren bei ProSiebenSat1. Wie bist du zu uns gekommen und wie können wir uns deinen Job vorstellen? 

Bevor ich zu ProSiebenSat.1 gekommen bin, habe ich viele Jahre in unterschiedlichen Bereichen bei einem lokalen Radiosender gearbeitet: hauptsĂ€chlich im Eventmanagement, aber auch in der Umsetzung von Print- und Digitalgrafiken bis hin zur Online Redaktion und dem Social Media Bereich.  

Meine damalige Freundin – mittlerweile Frau – war damals schon bei ProSiebenSat.1 und hat mich auf die Stellenausschreibung aufmerksam gemacht. Ich war sofort begeistert, da ich schon immer ein großer Fan der ProSiebenSat.1-Sender war. Und bis heute bin ich sehr glĂŒcklich darĂŒber, dass das geklappt hat.  

In meiner Rolle verantworte ich Bildproduktionen unserer Eigenformate im PR-Bereich. Das bedeutet: Alle Fotos, die man unter anderem in Programmzeitschriften, Magazinen und teils auf Social Media sieht, laufen durch die HĂ€nde unseres Teams. Man kann sich das wie eine Mischung aus Artdirektion, Redaktion und etwas Grafik vorstellen. Bei klassischen Shootings bin ich oft vor Ort und fungiere als Bindeglied zwischen Fotografen, KĂŒnstlermanagement und allen Beteiligten. Bei drehbegleitenden Aufnahmen – wie beispielsweise bei „Joko & Klaas gegen ProSieben" – organisiere ich alles im Vorfeld, sammle die Fotos ein und koordiniere ihre Verteilung. 

Möchtest du mit uns deinen eigenen Coming-out-Prozess teilen?

Gerne, wobei ich persönlich den Begriff „Coming-out“ etwas schrĂ€g finde. FĂŒr mich ist das eher ein „mit sich im Reinen sein“ – zu akzeptieren, wer man ist und dazu zu stehen. 

FĂŒr mich war es ein langer Prozess und ich habe mich erst mit etwa Mitte 30 so richtig damit auseinandergesetzt. Wahrscheinlich war das GefĂŒhl schon seit meiner Schulzeit da. Damals wurde ich von meinen MitschĂŒler:innen als „anders“ wahrgenommen, nur weil ich zum Beispiel nie mit Puppen spielen wollte. SpĂ€ter kam dann immer öfter die Frage, wann ich denn nun mal einen Freund hĂ€tte. Aus Angst vor Mobbing habe ich meine GefĂŒhle einfach verdrĂ€ngt. 

In meinen 30ern merkte ich, dass ich mich in meinem Leben einfach nicht ganz wohlfĂŒhlte. Ich fragte mich: Was stimmt nicht? Ich setzte mich damit auseinander, informierte mich und arbeitete daran. Dann lernte ich meine jetzige Frau kennen und der Rest ist Geschichte. Meinen Eltern und einigen Freund:innen hatte ich einfach gesagt: „Hey, ich bin jetzt mit einer Frau zusammen" und das war's. Zum GlĂŒck habe ich sowohl privat als auch beruflich ein sehr verstĂ€ndnisvolles und tolerantes Umfeld und positive Reaktionen erfahren. 

Am 27. Juni nehmen wir, zusammen mit anderen Unternehmen, am CSD in MĂŒnchen teil, um ein Zeichen fĂŒr Akzeptanz und Vielfalt zu setzen. Was können Arbeitgebende darĂŒber hinaus konkret tun, um queere Menschen zu unterstĂŒtzen?

 

Ich finde es richtig klasse, dass wir Gleichstellung bei uns nicht nur in unseren Verhaltensregeln festhalten, sondern diese auch wirklich leben. Zum Beispiel ganz konkret durch die CSD-Teilnahme oder das ProSiebenSat.1 PROUD-Netzwerk. Nicht alles lĂ€sst sich in jedem Unternehmen gleichermaßen umsetzen. Umso wichtiger finde ich es, solchen Themen mit Offenheit zu begegnen und gemeinsam zu ĂŒberlegen, wie sich auch mit kleineren Maßnahmen bereits etwas bewirken lĂ€sst. Das können zum Beispiel eine Spende an einen queeren Verein, die ErklĂ€rung der Bedeutung der Pride-Flagge oder ein Awareness-Training sein. Oder noch einfacher: im Arbeitsalltag einfach keine Unterschiede machen. Das kostet gar nichts und wirkt oft am meisten (lacht). 

Du hattest erzĂ€hlt, dass du nebenbei professionell fotografierst. Welche Bedeutung haben queere Motive und RĂ€ume in deinen Fotoprojekten?

 

Mit queeren Projekten beschĂ€ftige ich mich tatsĂ€chlich erst seit eineinhalb Jahren intensiver. Ich wollte wieder mehr fotografieren und habe einen queeren Verein angeschrieben. Daraus ist letztlich ein Engagement fĂŒr unterschiedliche Drag-Shows entstanden. FĂŒr mich war das absolutes Neuland, aber ich fand es sofort spannend. Die Menschen sind wahnsinnig nett und so eine tolle bunte Truppe. Ich wurde dort von Anfang an mit offenen Armen empfangen und habe dabei auch neue Begrifflichkeiten und Perspektiven kennengelernt.

Zum Abschluss darf eine unserer Lieblings-Fragen nicht fehlen: Gibt es etwas, das deine Kolleg:innen noch nicht ĂŒber dich wissen?

 

Ja, da gibt es tatsĂ€chlich etwas (lacht). Vermutlich weiß niemand, dass ich mit drei oder vier Jahren das erste Mal auf einer BĂŒhne stand â€“ und zwar bei einer Art Mini-Playback-Show, bei der ich Nena performt habe. Das habe ich dann viele Jahre immer wieder gemacht. Mit Freund:innen haben wir uns richtige Choreografien ausgedacht und in der Garage geprobt. Heute fotografiere ich allerdings lieber andere Leute auf der BĂŒhne, als selbst draufzustehen. 

Vielen Dank liebe Nadine fĂŒr diese spannenden Einblicke! Wir wĂŒnschen dir und allen anderen einen tollen Pride Month und vielleicht sehen wir uns ja sogar auf dem CSD.